Bibelausstellung mit Exemplaren vom 15. Jahrhundert bis heute

Steffi Bürgin präsentiert in Riehen Bibeln vom 15. Jahrhundert bis heute.
Facettenreiche und interaktive Bibelausstellung.

Nikolaus Trenz, Badische Zeitung

RIEHEN. Es gibt Regionen der Welt, da ist es lebensgefährlich, eine Bibel zu besitzen. Steffi Bürgin aus Münchenstein bei Basel besitzt gut 400 – komplett mit Altem und Neuem Testament, Teilausgaben, sehr alte Exemplare (von 1487), aktuelle und auch Bibeln, die davon erzählen, dass ihr Besitz gefährlich war oder ist. Dies und mehr präsentiert die Bibelliebhaberin in einer Ausstellung, die im Geistlich-Diakonischen Zentrum der Kommunität Diakonissenhaus Riehen zu sehen ist und exemplarische Bedeutung hat: So könnte die Dauerausstellung eines in Planung befindlichen Basler Bibelmuseums aussehen.

Beim Gang ins erste Obergeschoss des Geistlich-Diakonischen Zentrums (früher Spitalgebäude) fällt der Blick nicht auf ein Buch sondern auf ein Holzgestell – eine Gutenberg-Druckpresse, die sonst bei der Schweizer Bibelgesellschaft in Biel ihren Platz hat. Gutenberg nahm sich die Weinpresse zum Vorbild, erläutert der detaillierte Ausstellungsführer, auch wie es anfing mit dem Buchdruck mit beweglichen Lettern, Grundlage für die rasche Verbreitung der Bibel in deutscher Sprache im reformatorischen Deutschland und darüber hinaus. In der Schweiz bekam das neue Bekenntnis viel Rückenwind, große Namen stehen dafür – Zwingli, Calwin, in Basel Oekolampad. Von dort fand die Reformation auch den Weg nach Lörrach und in die obere Markgrafschaft. Die erste Vitrine zeigt beeindruckende Beispiele aus der Babyzeit des Buchdrucks, Wiegendruck heißt dieser Ausstellungsteil, darin jenes Exemplar von 1487.

Bibel aus dem Jahr 1487, gedruckt von Nikolaus Kessler in Basel, das älteste Exponat in der Bibelausstellung in Riehen und die älteste Bibel in der Sammlung von Steffi Bürgin. Foto: Nikolaus Trenz
Bibel aus dem Jahr 1487, gedruckt von Nikolaus Kessler in Basel, das älteste Exponat in der Bibelausstellung in Riehen und die älteste Bibel in der Sammlung von Steffi Bürgin. Foto: Nikolaus Trenz

Noch weiter zurück in die Entstehungszeit der heiligen Schriften führen Tonkurg und Papyrusrolle und Pergament aus Ziegenhaut. Ganz modern wird’s in der Ausstellung aber auch: Sie präsentiert „Bibel zum Hören“, das „Buch der Bücher“ beschäftigte große Komponisten aller Epochen, und „Bibel zum Sehen“ (in einer Videoecke sind Verfilmungen zu sehen). Und es gibt „Bibel zum Anfassen“: In den Bibeln mit Bildern berühmter Künstler von Chagall bis Hundertwasser darf man blättern oder am Mikroskop die kleinste Bibel der Welt anschauen.

Besonders wichtig ist für Steffi Bürgin die Vitrine „Schwierige Zeiten“. Die hier versammelten Exemplare erzählen, dass ihre Besitzer es nicht leicht hatten, der Besitz solcher Bibeln lebensgefährlich war und auch das Leben kostete. Die Verfolgung der Waldenser und der Hugenotten stehen dafür. Oder die Froschauer-Bibel, eine 1531 in der Schweiz erschienene deutschsprachige Ausgabe mit Altem und Neuem Testament. Verfolgte (Wieder-)Täufer wurden daran erkannt, rissen die Titelblätter heraus oder klebten die aus der Luther-Bibel hinein. Auch das schützte häufig nicht vor Verfolgung und Tod. Heute noch sprechen die Amish People in Amerika die Sprache dieser Bibelübersetzung, weiß Steffi Bürgin. Von einem deutschen Missionswerk stammen für Russland hergestellte kleinformatige Evangelien auf Plastik. Die ließen sich im Ernstfall einfach in den Suppentopf werfen: Kontext und Zeitgeist im Umgang mit der Bibel seit gut 500 Jahren, auch das deutet diese Ausstellung an.

Das Engagement zielt auf ein Bibelmuseum in Basel

Die meisten Bibeln, manchmal sind es auch Teilausgaben oder Drucke einzelner Seiten, sind aus dem privaten Bestand der Sammlerin. Der ist unterdessen auf mehr als 400 Bibeln angewachsen. Begonnen hatte alles mit der Entdeckung der Hochzeitsbibel ihrer Großeltern, da war Steffi Bürgin 14 Jahre alt. Später reiste ihr Vater mit ihr nach London, um in Antiquariaten Bibeln aufzutreiben. Heute finde sie meist in Deutschland neue Stücke für ihre Sammlung, die auch Bibeln in vielen Sprachen und Dialekten aufweist; mehr als 70 finden sich auch in der Ausstellung.

Steffi Bürgin Foto: Nikolaus Trenz
Steffi Bürgin Foto: Nikolaus Trenz

Die Bibel interessiert Steffi Bürgin keineswegs nur als Sammelobjekt, sie liegt der Protestantin „als Wort von Gott, als seine Offenbarung“ am Herzen. Kein Wunder, dass sie sich für ein Bibelmuseum in Basel mitengagiert. Die Stiftungsgründung dafür liege „in den letzten Zügen“. Pro Biblia – Kulturgut Bibel werde sie heißen. Man wolle eine Geschäftsstelle in Basel gründen und suche noch Räumlichkeiten. 400 Quadratmeter sollten es sein, damit eine Dauerausstellung die Bibel in ihrer Vielseitigkeit und Vielschichtigkeit präsentieren kann. Einstweilen geschieht das in der Ausstellung in Riehen. Von dort zieht sie weiter, wird in der Wintersaison in St. Moritz gezeigt.